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Kategorie: Uncategorised
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Team Sportblog-MD konnte heute für unsere sportinteressierte Leserschaft den B-Jugend Trainer Andreas Lindemann vom TSV Niederndodeleben gewinnen, sich Zeit für ein paar Fragen zu nehmen. Danke an dieser Stelle, Andreas.

 
1) Du bist Trainer der B-Jugend des TSV Niederndodeleben. Wie empfindest Du die Arbeit mit so heranwachsenden jungen Mädels? Wie ist das Mannschaftsgefüge und was macht ihr, wenn es innerhalb der Mannschaft doch zu Unstimmigkeiten kommen sollte?
 
Die Arbeit mit den heranwachsenden Mädels macht mir sehr viel Spaß, auch wenn man sagen muss, dass es nicht immer ganz reibungslos verläuft. Meine Mädels haben ihren eigenen Kopf und müssen von vielen Dingen aufwendig überzeugt werden. Lach…
Doch das zahlt sich aus, wenn man die mannschaftlichen sowie individuellen Entwicklungsschritte (physisch und psychisch) betrachtet.
Das Mannschaftsgefüge würde ich als gut bezeichnen und Kontroversen werden intern geklärt. Die Mädels können, dürfen und sollen sogar ihre Meinungen deutlich kommunizieren, damit kleine Themata keine größeren werden. Doch auch hierbei sehe ich in meiner Mannschaft stetig Fortschritt sowie weiteres Entwicklungspotenzial.
 
2) Du bist schon ein erfahrener Trainer. Welche Geschichte kannst Du uns kurz erzählen, was in deiner Trainerzeit besonders positiv in deinem Gedächtnis geblieben ist?
 
Ehrlich gesagt, könnte ich aus meiner sportlichen Laufbahn einfacher gute als auch lustige Momente formulieren.
Ich bin sicher kein überaus formell erfahrender Trainer, aber ich habe viele Jahre den schönsten Sport der Welt selbst betrieben und das Glück gehabt unter einigen wunderbaren Trainern, wie Jens Ziegler, Ernst Gerlach, Ingolf Wiegert, Sven Liesegang und Dmitri Filippov zu trainieren. Das waren für mich alles wunderbar menschliche sowie sportliche Erfahrungen, von denen ich als Handballtrainer selbstverständlich profitiere. Weiterhin kommt mir meine Tätigkeit als Sportlehrer ebenfalls zu Gute und ich denke deshalb selbst, dass ich schon eine gefühlte Ewigkeit als Vereinstrainer tätig bin.
 
3) Aktuell darf kein Handball gespielt werden und auch die Saison wurde offiziell beendet. Jeder, der gern Sport betreibt mit Leidenschaft wird nachvollziehen können, dass es gerade doppelt schwer ist. Wie gehst Du persönlich mit der Situation um? Wie verbleibt ihr innerhalb der Mannschaft?
 
Die Pandemie hinterlässt in allen Lebensbereichen deutlich Spuren, so auch bei uns. Ich habe meine Mannschaft das letzte Mal am 09.03.2020 beim Training gesehen, dann haben sich bekanntlich die Ereignisse überschlagen und das öffentliche Leben hat sich stark verändert.
Meine Spielerinnen haben den Auftrag erhalten, sich sportlich fit zu halten. Das Schicksal tragen wir also mit allen Profi- u. Freizeitsportlern gemeinsam. Ich gehe aber zu 100 Prozent davon aus, dass die Mädels das umsetzen und die Laufwege sowie die Umgebung ihrer Heimat neu erkunden. Ein Handballtraining mit hoher Intensität können die gegebenen sportlichen Möglichkeiten jedoch nicht ersetzen. Das Leben steht still bzw. geht langsamer voran, darüber sind auch wir uns im Klaren.
Ich persönlich befinde mich im Homeoffice, beschäftige mich mit dem Unterrichtsstoff meiner Tochter, baue Legohäuser mit meinem Sohn, gehe Laufen, fahre mit dem Rad und mache häusliche Fitnessübungen. Es wird jedoch immer schwieriger neue Dinge in den Alltag zu integrieren und so verlaufen die Tage immer ähnlich.
 
4) Sportler mit Leidenschaft ticken oft anders. Sie sind immer aktiv oder lassen sich nur schwer ausbremsen. Wenn Du eine beliebige Aktivität zu einer olympischen Disziplin
machen könntest. Bei welcher hättest Du die größten Chancen eine Medaille zu gewinnen?
 
Diese Frage ist schwer zu beantworten. Ich hatte als junger Sportler viele Stärken und daher möchte ich die Frage mal anders beantworten.
Ein guter Turner wäre ich bestimmt nicht geworden und schließe somit den olympischen Medaillengewinn in dieser Sportart mal aus. Lach…
 
5) Welche Trainerphilosophie verfolgst Du? Bist Du eher ein ruhiger oder doch emotionaler oder strenger Trainer?
 
Ebenfalls eine nicht so einfach zu beantwortende Frage. Ich bin sicher ein sehr autoritärer Trainer und mag somit klare Hierarchien und persönliche Verantwortlichkeiten, kann aber auch in den Hintergrund treten, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind. Auf jeden Fall bin ich ein sehr leidenschaftlicher, emotionaler und zielorientierter Trainer. Meine Mädchen empfinden dies bestimmt oftmals als streng. Doch hinter der gefühlten Strenge versteckt sich oft mein persönlicher Perfektionismus. Ich habe klare Vorstellungen und Ansprüche an Training und Wettkampf. Soll heißen, Training ist nicht gleich Training und ein gewonnenes Spiel entspricht nicht oft meinen Erwartungen.
Meine Co-Trainerin Swantje Siefert führt in meinem Auftrag streng Buch über Trainingsbeteiligung und erstellt wunderbare Wettkampfstatistiken. Diese helfen mir sehr, bei meiner Spielauswertung und vor allem in der langfristigen Trainingsteuerung.
 
6) Was gefällt dir besonders an der Tätigkeit des Trainers? Wie bereitest Du dich auf kommende Spiele und Gegner vor?
 
Der wöchentliche Trainings- und Wettkampfbetrieb macht mir viel Freude. Mir wurde vom TSV Niederndodeleben die Möglichkeit geboten, diesen ehrlichen Sport als Trainer weiter zu führen. Trainings- und Wettkampfplanung ist eine ungemein strategische Arbeit, es liegen viele Faktoren vor, die bei der Planung und Steuerung zu berücksichtigen sind. Ich empfinde meine Trainertätigkeit auf keinen Fall als einfach und monoton und genau diese Herausforderungen sind es, die mir viel Spaß machen und die mich täglich antreiben.
 
7) Raum für eigene Worte:
Ich wünsche allen Menschen, dass sie diese schwere Zeit gesund überstehen mögen und der Handball bald wieder ein Teil unseres Lebens sein darf.
 
Mit sportlichem Gruß
Andreas Lindemann