Für alle sportbegeisterten Leser haben wir ein sehr schönes Interview mit Erik Haegebarth führen dürfen und wirklich sehr interessante Einblicke bekommen. Vielen lieben Dank dafür: 1. Du bist ein taffer Feuerwehrmann - der mitunter in die Grundschulen geht und dort berichtet, Fußballtrainer (Abteilungsleiter), Vater einer handballbegeisterten erwachsenen Tochter und überhaupt rundum vielseitig engagiert. Woher nimmst du dafür deine Energie und was ist deine persönliche Motivation alles so gut zu meistern? Was bringt sozusagen positive Energie in dein Leben?

Ich hatte viele gute Vorbilder, die sich immer für den Sport, soziale Projekte und vieles andere eingesetzt haben. Nur um ein paar zu nennen: Für den Sport: Günther Frontzek, Bernd Cotte und Heinz Körner Für die Feuerwehr: Eberhard Schulze und Wolfgang Kassebaum. Die haben mich animiert, selbst aktiv zu werden und zu bleiben.
Was gibt es schöneres als Dankbarkeit aber auch Unterstützung für geleistete und noch zu leistende Arbeit sei es im Dienst oder aber im Ehrenamt zu bekommen? Ab und an darf auch mal ein wenig Ärger dabei sein, das regt dann zum Nachdenken über die eigene Sicht auf die Dinge an und beflügelt einen dann noch mehr.
Natürlich geht das alles nur, wenn die Familie unterstützt und man sich die Zeit gut einteilt bzw. verlässliche Unterstützer hat. Ab und an wird es dann auch ganz schön viel, doch wenn man´s dann geschafft hat und sieht, was geworden ist, dann ist man schon mal glüclich oder aber auch mächtig stolz
2. Corona - ein Thema an dem man aktuell einfach nicht vorbei kommt. Alle sportinteressierten Fans und vor allem die Sportler warten darauf, dass es wieder los geht, vor allem regional mit den eigenen Vereinen. Wir haben gelesen, dass es dir dabei nicht anders ergeht. Was sind so die ersten sportlichen Aktivitäten, die du wieder machen oder besuchen möchtest, sobald dazu der Startschuss gegeben wurde?
 
Zunächst habe ich mich um meine eigene Fitness gekümmert, habe mir ein eigenes Sportprogramm auferlegt. Ich bewege mich viel an der frischen Luft und schaue mir dabei ganz gerne mal den Baufortschritt in Magdeburg an, kann das beruflich auch ganz gut brauchen.
Natürlich fehlen mir die Kiddies der E1 vom TuS und auch alle anderen, zu denen man über die Jahre einen guten Kontakt aufgebaut hat, und deren sportlichen Werdegang man begleitet.
Wir haben einen Antrag zur Nutzung unserer Sportanlage entsprechend den geltenden Rahmenbedingungen bei der Stadt gestellt und werden zunächst in kleinen Gruppen wieder einsteigen. Hier gilt es jetzt zu koordinieren, kontrollieren und mitzugestalten.
Es kann dann so langsam wieder losgehen
 
3. Auf was könntest du in deinem Leben nicht verzichten?
 
Auf die Familie, insbesondere meine Frau, die mich auch in schweren Zeiten immer unterstützt hat. Auf meine Kollegen, die ein echtes Team bilden und natürlich auf die Kastanien auf dem TuS-Platz. Ich liebe die Berge Österreichs, die Ostsee und den Harz. So ein paar lieb gewordene Rituale möchte ich auch nicht missen. Aber alles wird hier jetzt nicht erzählt.
4. Ich durfte bei deinem Training schon dabei sein und werde nie vergessen, wie du versucht hattest, deinen Schützlingen den Lauf Richtung Eckfahne beizubringen. Es war für mich mit Abstand das erfrischend lustigste Training und auch die Jungs hatten in einer weiteren Huckepackübung ihren Spaß. Wie kam es dazu Trainer zu sein? Was macht dir besonders Spaß?
 
Während meiner Ausbildung im NVA-Wachregiment konnte ich immer mal wieder zum Training in das Kultur-und Sportzentrum Strausberg gehen. Dort spielte ich dann ab 1986 in der dortigen Bezirksligamannschaft von ASG Vorwärts. Als bei einigen Trainern das Ende der Dienstzeit heranrückte, fragte man mich, ob ich nicht gern in der U13 einsteigen wolle. Gemeinsam mit Ingo Rasum von Lichtenberg 47 betreute ich dann das Team, machte meinen Übungsleiter Stufe 2 und hatte sehr gute Lehrjahre im TZ Strausberg bei besten Bedingungen.
Nach dem Ende meiner Dienstzeit kehrte ich zum TuS zurück und übernahm auch aufgrund einiger Verletzungen 1993 die II.Herren vom TuS. In den Nachwuchs kehrte ich dann zusammen mit Lutz Rachholz und Bernd Rudolph zurück. Wir übernahmen dann die B-Junioren (Jahrgang 84/85) und hatten tolle Jungs und super Eltern, die voll mitzogen und uns unterstützten.
Besonderen Spaß bildet natürlich immer der sportliche Erfolg, der nicht immer nur am Ergebnis zu messen ist. Entwicklung heißt das Zauberwort. Das erste Tor für einen, der sonst nie Tore schießt, die erste Parade des plötzlich ins Tor müssenden Feldspielers, die erste Flanke von der Grundlinie eine Verteidigers, das erste Jonglieren mit dem Ball, die Fahrten nach Spanien und immer auch wieder die Vertrautheit, die auch die Kinder und Jugendlichen mit Dir haben und sich über schulische aber auch familiäre Erfolgserlebnisse aber auch teils sehr ernsthafte Sorgen mit dir austauschen.
Natürlich muss Training immer eine Mischung aus Spaß aber auch Ernsthaftigkeit und Kollegialität sein, und wenn das Gesamtpaket dann irgendwann stimmt, hast Du ein Team mit welchem man durch dick und dünn gehen kann.
Dazu zählt eben auch halt mal Huckepacklaufen oder Reiterkampf sowie Rugby spielen. Neben viel Spaß, engen Kontakt, merkt so manch einer dass die Puste dünn wird…
 
5. Was denkst du, worin deine persönlichen Stärken und Schwächen liegen und was kann dich so richtig auf die Palme bringen?
 
Kontinuierliche, verlässliche Arbeit abliefern, Entscheidungsfähigkeit, Motivation bei anderen erzeugen und auch mal gute Hinweise von anderen in die Arbeit einfließen lassen, sind schon ein paar Grundzüge von mir.
Ich ärgere mich besonders über Unzuverlässigkeit, mangelnden Leistungswillen gepaart mit Disziplinlosigkeiten, Zerstörung von Vereinseigentum und unsachgemäßer Nutzung und über die die immer alles besser wissen, aber selbst nie Verantwortung übernommen haben.
 
6. Wenn du zurück denkst an deine sportlichen, beruflichen oder privaten Erlebnisse deines Lebens. Welches ist dir am Stärksten in Erinnerung geblieben?
 
Natürlich sind die Hochzeit mit meiner Frau und die Geburt von meinem „Lieschen“ herrliche Erinnerungen.
Aber die Übergabe des Abschlusszeugnisses der 10.Klasse im damaligen „Theater des Nordens“, als die ganze Schule nach dem Aufrufen meines Namens aufstand und mich mit Applaus bis auf die Bühne trug, das werde ich nie vergessen. Gänsehaut pur. Kurz zuvor sollte ich noch von der Schule, der damaligen EOS Humboldt, fliegen. Ich hatte beim Zeigen von Zivilcourage ziemlich überzogen und in den Augen der Schulleitung entgegen dem guten Ruf der Schule gehandelt und sollte nicht in die Abiturstufe übernommen werden.
Danke immer wieder an Frau Schmidt, die stellvertretende Direktorin, die mir in besonderer Weise geholfen hat, und immer an mich geglaubt hat. Ich habe versucht, dies mit meinen Aktivitäten wieder zurückzuzahlen. Danke auch an alle damaligen Schüler, die mir gezeigt haben, dass es richtig ist, sich für andere einzusetzen.
7. Raum für eigene Worte:
 
Danke erst einmal für das Interesse an mir. Wer gern mehr erfahren möchte, kann sich nach Corona oder mit Öffnung der Sportstätte gern mal unter den Kastanien mit mir treffen. Vielleicht darf ja auch unser Gastwirt endlich wieder öffnen.
Auch freue ich mich gern über Besuche auf meiner Feuerwache, um Euch unsere vielseitige Arbeit etwas näher zu bringen.
Gern würde ich mich auch freuen, wenn sich der eine oder andere einen Ruck gibt und sich vielleicht als Übungsleiter, Vorstand oder auch engagiertes Mitglied in die Entwicklung unseres Vereins oder aber vielleicht auch eines anderen Vereins einbringt, auch wenn es nur Dankbarkeit und kein Geld einbringt. Die dabei zu gewinnenden Eindrücke und Erlebnisse sind jedoch unbezahlbar.
Möglichkeiten was zu machen, gibt es genug und Zeit ist häufig genug da. Man muss einfach mal nur den A…. hochkriegen und nicht Ausreden suchen warum was nicht geht....